Was das Busfahren in Laos mit sich bringt

Die Busfahrten in Laos unterscheiden sich ein bisschen von anderen. Ich erzähle einfach mal von unserer Busfahrt von Oudomxay in Laos zum nördlichen Grenzübergang nach Dien Bien Phu in Vietnam.

Früh am morgen fahren wir mit dem Tuktuk zum Busbahnhof. Da der Mann an unserer Hotelrezeption kein Wort Englisch versteht, können wir keine Tickets im voraus buchen und müssen direkt zum Busbahnhof. Wir holen unsere Tickets am Ticketschalter und freuen uns, dass noch Platz ist.

Der kleine Reisebus ist voll mit Einheimischen und nach kurzer Wartezeit gehts auch schon los. Wir fahren durch Oudomxay – oder vielleicht war das auch schon ein angrenzendes Dorf, das kann man hier immer schlecht sagen – und halten auf kurzer Strecke mehrmals an, um Reissäcke und andere Waren zu verladen. Die Busse werden immer gut vollgeladen.

Beim 4. Stopp kommen wir an einem Imbiss an, fast alle steigen aus. Außer der Tatsache, dass wir nach 15 Minuten Fahrtzeit (!) nun erstmal eine halbe Stunde „Pause“ machen, damit unsere Mitfahrer frühstücken können, steigen noch weitere Leute in den Bus ein.

Während wir warten liest Andi etwas im Reiseführer nach, die im Bus gebliebenen Männer schauen neugierig zu. Irgendwann zeigen wir ihnen die Bilder darin und der Reiseführer landet eine Sitzreihe weiter vorne, wo drei Männer fasziniert durch die Seiten blättern. Bücher sind in Laos keine Selbstverständlichkeit und es gibt verschiedene Projekte, die den Erhalt von Büchern unterstützen. Besonders auf dem Land haben die Leute nur schwer oder gar keinen Zugang zu Bildung.

Der Bus füllt sich, nun sind alle Plätze besetzt und die ersten machen es sich im Gang bequem. Es ist eng und während sich in die hintere Sitzreihe mehrere Männer quetschen, beginnen zwei ältere Damen sich lauthals über ihren Platz zu beschweren (zumindest denken wir das, hier spricht ja keiner Englisch). Die jungen Vietnamesen im Bus lachen. Der Geräuschpegel ist hoch, alle reden durcheinander und irgendwann gehts dann weiter.

Die Straßen sind für laotische Verhältnisse noch ok, die kurvige Strecke führt allerdings durch die Berge und rechts und links gehts steil bergab. Immer wieder fahren wir über Schlaglöcher und der Busfahrer hat ein gutes Tempo drauf. Der Bus wackelt, die Männer ganz hinten hauen sich an der Decke den Kopf an. Regelmäßig melden sich die älteren Damen laut zu Wort, aus welchem Grund auch immer. Trotz der kurvigen Strecke und den steilen Abhängen machen wir uns eigentlich keine Sorgen, dass wir einen Unfall bauen könnten. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir am Tag fahren.

Quelle: http://www.abenteuerkultur.de/2-Thai-Laos-3.html

Einmal steigt ein Mann aus und im Bus beginnen wilde Diskussionen. Wir verstehen erst nicht, was vor sich geht, bis uns einer deutet, dass der Mann kein Geld hat, um die Busfahrt zu bezahlen. Der Busfahrer fragt sich bei den Leuten im Dorf durch und bekommt irgendwann sein Geld. Eine Frau aus einem kleinen Verkaufsstand bezahlt die Schulden des Mitfahrers. Wir hätten gerne gewusst, wie das gehandhabt wird und ob der Mann nun wohl seine Schulden abarbeiten muss – leider versteht uns keiner.

Die Dörfer in den Bergen sind sehr klein und auf die ganze Strecke verteilt. Immer wieder erheben sich ein paar Häuser am Straßenrand. Die Häuser sind hier meist aus Holz und minimalistisch ausgestattet. Im Hof und auf der Straße laufen Tiere herum – Hunde, Hühner, Kühe. Die Kleidung der Laoten hängt draußen an einer Stange, ordentlich auf Kleiderbügel verteilt. Wir sehen viele Kinder, die von den Erwachsenen getragen werden oder im Hof und auf der Straße spielen.

Die Landschaft in Laos ist wunderschön, überall sind die Berge von Dschungel gesäumt und es gibt unzählig viele Bananensträucher. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum wir häufig Bananen zu unserem Essen dazubekommen – umsonst. Die sind hier kleiner als bei uns und schmecken viel süßer und fruchtiger.

Wir halten zwischendurch an einem Imbiss, an dem wieder alle aussteigen und etwas essen. Wir sehen, wie die Einheimischen einen Eimer mit Wasser befüllen und damit Pfeife rauchen. Andi ist neugierig und schaut zu, dann darf er auch mal 🙂

Der Grenzübergang zu Vietnam liegt mitten in den Bergen, man verlässt das Land sozusagen über den Gipfel. Danach geht es bergab. Alles läuft reibungslos. Rein ins Office, Stempel auf den Pass (das Visum hatten wir schon) und fertig.

Kaum sind wir auf vietnamesischen Straßen, drückt der Busfahrer nochmal ordentlich aufs Gas. Die älteren Damen untermalen die groben Manöver mit einem langezogenen „Uuuuh“. Der Busfahrer lacht. Angesichts der (nach wie vor) engen Kurven und steilen Abhänge wird es nun doch etwas wild. Ich bin froh, dass wir am Tag fahren, wir haben schon so manche Story über üble Nachtfahrten gelesen und auch gehört. Ich habe mich stets geweigert, den Nachtbus in dieser bergigen Gegend zu nehmen und ich würde es beim nächsten Mal genauso machen. Es lässt sich schon nachvollziehen, dass einige sagen, das wäre gefährlich.

Nach weiteren Stopps in sämtlichen kleinen Dörfern, an denen einer nach dem anderen rausgelassen wird erreichen wir dann müde aber heil die vietnamesische Grenzstadt Dien Bien Phu. Andi und ich genießen die Fahrten trotz den chaotischen Zuständen, weil wir dabei einfach Kontakt zu den Einheimschen aufbauen können und wir schon so manche Erlebnisse hatten, die man in einem Touristen-Reisebus vermutlich nicht hätte.

2 Gedanken zu „Was das Busfahren in Laos mit sich bringt

  1. Rosi Schneele sagt:

    Hi ihr Zwei,
    geniesst Eure Reise. Wir, Dieter und ich, beneiden Euch. Dieser Blog ist toll, für uns Daheimgebliebene. Gerne viel, viel mehr davon. So manche Geschichten und Bilder kommen uns ein bisschen bekannt vor und wir denken an unsere Reisen zurück. Alles Gute fürs neue Jahr und für die restliche Reise. Wir drücken Euch die Daumen, dass weiterhin alles gut läuft und ihr uns dann auch viel erzählen könnt. Wir freuen uns schon darauf. Ganz liebe Grüße aus Munningen.

    • weltliebeblog sagt:

      Vielen lieben Dank an Euch! Es freut uns, dass der Blog Euch gefällt und wir werden natürlich weiterhin berichten 🙂 Ganz liebe Grüße nach Munningen 😉

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