Rovaniemi – der Norden Finnlands

Der goldene Herbst macht seinem Namen hier alle Ehre – Rovaniemi zeigt sich zu dieser Zeit von seiner schönsten Seite! Die fallenden Blätter haben leuchtende Farben und der Kontrast zum Himmel und den Flüssen ist einfach atemberaubend.

Wir hatten definitiv auch ein bisschen Glück, denn bei unserem Aufenthalt gab es jeden einzelnen Tag Sonne pur und man hat einfach Lust, was zu unternehmen. Da kam es uns schon ziemlich komisch vor im Santa Claus Village den Weihnachtsmann zu besuchen, der zwischen goldenen Bäumen und so ganz ohne Schnee in seinem Haus sitzt und seine Gäste erwartet. Oktober ist natürlich noch keine Weihnachtszeit, aber irgendwie waren wir doch überrascht, wie unscheinbar das Ganze wirkt! Wer also Wert darauf legt, den „echten“ Weihnachtsmann zu besuchen und auch das richtige Gefühl vermittelt zu bekommen, der sollte tatsächlich im Winter dort hingehen. Das war dann aber auch schon die einzige Touristenattraktion, die wir hier mitgenommen haben.

Mit knapp 60.000 Einwohnern ist Rovaniemi eher eine Kleinstadt, die für mich persönlich keinen besonderen Charme hat. Die Innenstadt ist ganz nett, es gibt ein Einkaufszentrum und mehrere kleine Cafés, die (meist selbstgemachte) Feinkost im Angebot haben und zu einem Kaffeekränzchen einladen.

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Die selbstgemachten Pralinen haben ihren Preis, wie fast alles in Finnland. Aber wenn im Herbst die Luft kälter wird und die Tage kürzer, lassen sich die Sonnenstunden wunderbar draußen genießen und so lecker wie die süßen Kleinigkeiten schmecken, sind sie das definitiv wert..

Rovaniemi liegt direkt am Arctic Circle, am Polarkreis und bietet mit dem Arktikum ein Museum, das verschiedene Ausstellungen über die Geschichte Lapplands oder die Polargebiete zeigt. Als wissenschaftliches Labor verfügt es außerdem über einen langen Glastunnel, durch den nachts die Polarlichter begutachtet werden können.

In den Monaten September/Oktober und Februar/März ist Nordlichtsaison und die Chancen, Aurora Borealis sehen zu können stehen bestens. Da das Wetter am Tag mitgespielt hat, hatten wir große Hoffnung auf einen klaren Nachthimmel. Damit unsere Sicht nicht durch die Lichtverschmutzung beeinträchtigt wird, haben wir uns ein abgelegenes Appartement in der Nähe von Rovaniemi gemietet, direkt hinter einem Fluss und eigentlich mitten im Nichts. Perfekt! Gegen 21.30 Uhr haben wir uns auf den Weg nach draußen gemacht und es hat keine 10 Minuten gedauert, da haben die ersten grünen Lichter am Himmel geleuchtet. Was für ein Gefühl! Plötzlich leuchtet der Himmel in einer anderen Farbe und im ersten Moment ist einem das gar nicht so bewusst, bis sich die Leuchtstreifen verändern, bewegen und Muster formen.

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Wir haben gefühlte 1000 Bilder gemacht, da die Lichter auf der Kamera deutlicher zu sehen waren als mit dem bloßen Auge. Mit einer Belichtungszeit von ca. 2 Sekunden sind die Nordlichter schon ziemlich hell geworden und da wir leider kein Stativ hatten war eine längere Belichtungszeit nicht möglich. Da standen wir also über eine Stunde und starrten in den Himmel, bis das Spektakel irgendwann langsam zu Ende ging und wir uns ins warme Appartement zurückzogen. Eine weitere Möglichkeit, um die Nordlichter gut sehen zu können ist  das Lapland Hotel Sky Ounasvaara, das relativ weit oben liegt und eine begehbare Aussichtsplattform bietet. Ich kann es kaum erwarten wieder in den Norden zu fliegen, um die Aurora noch einmal zu sehen.

Das Appartement Lomavekarit, in dem wir übernachtet haben, ist sehr schön, gemütlich, mit eigenem Ofen im Wohnzimmer und Sauna im Bad. Auf der Hinterseite gibt es eine Terrasse, von dort aus konnten wir auf einen breiten Fluss sehen, der übersät war mit goldenen Blättern, die nach und nach von den Bäumen geweht wurden. Die Besitzer sind freundlich und man kann sich dort Fahrräder sowie auch Boote ausleihen, um auf dem daneben gelegenen Fluss zu schippern. Um in die Stadt zu gelangen haben wir uns am ersten Tag Fahrräder ausgeliehen, für 10 € pro Tag. Wir sind nach Rovaniemi gefahren und haben Zeit im Shoppingcenter und im Café verbracht, ehe wir noch ein bisschen eingekauft haben, um abends im Appartement zu kochen.

Da von der Unterkunft aus kein Bus fährt sind wir am nächsten Tag getramped und ich muss sagen, dass sich hier die Zuvorkommenheit und Freundlichkeit der Finnen bestätigt hat: das erste Auto, das an uns vorbeigefahren ist, hat angehalten und uns mitgenommen. Nicht, dass sich diese Werte nur daran messen lassen, aber die Finnen erscheinen uns allgemein, als wären sie immer auf das Beste für Jedermann bedacht. Die Dame hat uns also zum Bahnhof gefahren, wo wir unser Mietauto abgeholt haben. Damit sind wir dann einfach darauf losgefahren, die Landschaft erkunden und schöne Orte suchen. Neben einem kleinen Umweg durch einen Wald und mehreren Stopps an Seen hatten wir das Glück, dass uns die schönste Hirschart Finnlands begegnet.

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Die Rentiere kamen überraschend aus dem Wald direkt auf die Straße gelaufen und haben sich von uns überhaupt nicht irritieren lassen. Wir haben kurz mal gestockt, als die Herde direkt auf uns zugelaufen kam und uns erst klar wurde, wie groß deren Geweih eigentlich ist. Nachdem sie aber unbeirrt an unserem Auto vorbeigelaufen sind, war alles ok und wir haben versucht, den Moment festzuhalten.

Mein Fazit: Rovaniemi ist definitiv einen Besuch wert  für jeden, der die Natur liebt und es im Urlaub gerne etwas ruhiger hat. Auch für das Beobachten der Nordlichter ist Rovaniemi ein perfekter Ausgangspunkt! Eine Alternative dazu wäre Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens, die angeflogen wird und von der aus man ebenso gut die Nordlichter beobachten kann.

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